Was ist „Konflikt“ in einer Geschichte?
Was ist „Konfrontation“ in einer Geschichte? Wenn du dich mit dem Erzählen von Geschichten auskennst, weißt du, dass Konflikte unerlässlich sind. Indem wir also verstehen, wie Antagonisten im Drehbuchschreiben eingesetzt werden, können wir die Konflikte in den Geschichten unserer eigenen Drehbücher besser handhaben. In diesem Artikel stellen wir alle verschiedenen Kräfte der Konfrontation vor, aus denen Autor:innen wählen können, wie sie funktionieren und wie man entscheidet, welche davon…
Was ist „Antagonismus“ in einer Geschichte?
Wenn du dich mit Storytelling auskennst, weißt du, dass Konflikt unverzichtbar ist. Wenn wir verstehen, wie Antagonisten im Drehbuchschreiben eingesetzt werden, können wir die Konflikte in unseren eigenen Geschichten besser gestalten. In diesem Artikel stellen wir alle unterschiedlichen antagonistischen Kräfte vor, die Autor:innen wählen können, wie sie funktionieren und wie du entscheidest, welche Kraft am besten zu deiner Geschichte passt.
Kurzdefinition von Antagonismus
Was bedeutet Antagonist? Meist heißt es: Der Protagonist (die zentrale Kraft) gerät in Schwierigkeiten. Drehbuchautor:innen haben viele Möglichkeiten, ihren Hauptfiguren mit verschiedensten Hindernissen entgegenzutreten.
Wir werden uns mehr Beispiele für Antagonisten aus Filmen wie „Kill Bill“ und „Die Vögel“ ansehen, um zu verstehen, wie Drehbuchautor:innen mit ihnen arbeiten. Zuerst definieren wir aber den Begriff „Antagonist“ selbst.
Was ist ein Antagonist?
Der Antagonist ist die Kraft in einer Geschichte, die sich dem Protagonisten entgegenstellt – ob menschlich, naturhaft oder übernatürlich. Das Wort „Antagonist“ stammt vom griechischen „agonizesthai“ und bedeutet wörtlich „kämpfen gegen“. Jede Hauptfigur braucht eine antagonistische Kraft. Das heißt aber nicht, dass diese Kraft immer eine andere Figur sein muss. Das größte Hindernis des Helden kann die Umgebung sein, ein Tier wie ein Killerhai, eine Idee oder der eigene innere Makel.
Typische Merkmale eines Antagonisten:
- Zehrt am Protagonisten
- Oft böswillig
- Hält den Protagonisten vom Vorankommen ab
Autor:innen nennen den Antagonisten auch „Gegenspieler“ oder „feindliche Kraft“. Edson macht in seiner Analyse von „Sideways“ einen wichtigen Punkt: Der Gegenspieler muss nicht zwingend ein Schurke sein (zumindest nicht im klassischen Sinn), sondern kann alles sein, was dem Protagonisten entgegensteht. In „Sideways“ ist der Hauptantagonist eine Figur, die nur in zwei Szenen auftritt, deren Einfluss auf den Protagonisten aber allgegenwärtig ist.
Die Beziehung zwischen Protagonist und Antagonist ist der Schlüssel des Erzählens. Es geht nicht bloß um ein simples „ohne den einen gibt es den anderen nicht“. Langfristig ist das keine „One size fits all“-Situation. Eher lautet die Frage: „Wer oder was ist das perfekte, herausforderndste Hindernis für meinen Helden?“
Schauen wir uns diese Beziehung genauer an.
Was sind Protagonist und Antagonist?
Protagonist und Antagonist stehen in einer symbiotischen Beziehung. Vielleicht ist der beste Weg, einen Antagonisten zu verstehen, zunächst sein Gegenstück zu betrachten: den Protagonisten.
Sehen wir uns in folgendem Beispiel an, wie Protagonist:innen funktionieren, welche Typen und Merkmale sie haben.
So entsteht und löst sich Konflikt zwischen Protagonist und Antagonist:
Protagonist: Figur A will Sache X.
Antagonist: Figur B will Sache Z.
X und Z stehen im Widerspruch.
Setzen wir hier konkrete Beispiele ein, etwa aus „Der König der Löwen“:
Protagonist: Simba will Gerechtigkeit für seinen ermordeten Vater.
Antagonist: Scar will absolute Macht über das Geweihte Land.
Siehst du, wie sich diese beiden Ziele ausschließen? Das ist, weil der Kampf zwischen Protagonist und Antagonist das häufigste Beispiel für Figurenkonflikt ist. Die Momente, in denen diese Figuren und ihre Ziele miteinander kollidieren, nennt man den Höhepunkt.
Beispiele für Antagonisten im Film
Vielleicht zieht kein Medium Schurken, Bösewichte, Psychopathen und Tyrannen so an wie der Film. In vielen Filmen sind die Antagonisten interessanter und / oder einprägsamer als die Helden. Um einen schnellen Überblick über einige der besten „Bösen“ zu bekommen, hier Beispiele für Antagonisten im Film:
- Der Joker in „The Dark Knight“
- Darth Vader in „Das Imperium schlägt zurück“
- Saruman in „Der Herr der Ringe“
- Voldemort in „Harry Potter“
- Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“
- Scar in „Der König der Löwen“
- Hans Gruber in „Stirb langsam“
- Captain Hook in „Peter Pan“
- Hans Landa in „Inglourious Basterds“
- Agent Smith in „The Matrix“
All diese Antagonisten sind im Kern böse – wichtig ist aber: Nicht jede antagonistische Figur ist ein Schurke! Später kommen wir zu nicht-bösen Gegenspielern, doch zuerst zerlegen wir den „Bösewicht“ genauer.
Welche Arten von Antagonismus gibt es?
Wie es viele Arten von Protagonisten gibt, haben Autor:innen auch mehrere Typen von Antagonisten zur Auswahl. Bei der Planung einer Erzählung (Roman, Theaterstück, Videospiel, Drehbuch usw.) ist es wichtig zu wissen, welche Optionen es gibt, wie sie funktionieren und welche am besten zu deiner spezifischen Geschichte passt.
Die wichtigsten Antagonismus-Typen lassen sich grob einteilen in:
- Schurke
- Anti-Schurke
- Falscher Antagonist
- Verborgener Antagonist
- Unbelebte antagonistische Kraft
- Innerer Antagonist
- Heroischer Antagonist
Natürlich gibt es Überschneidungen zwischen diesen Typen. Gleichzeitig bringen sie aber jeweils eine eigene Art von Konflikt mit. Wie bei der Kombination von Wein und Speisen sollten Autor:innen genau wissen, was sie wählen. Beginnen wir mit dem häufigsten: dem Schurken.
Antagonist vs. Schurke
Oft wird angenommen, jeder Antagonist sei ein Schurke. Viele sind es, aber nicht alle. Der Schurke ist einfach der gängigste und einprägsamste Typ von Antagonist.
Die meisten Schurken sind im Wesen böse. Sie verkörpern eine Weltanschauung, die der des Protagonisten diametral entgegensteht. Schurken tun alles, um den Fortschritt der Hauptfigur zu sabotieren.
Ein klassisches Beispiel ist der Joker in Christopher Nolans „The Dark Knight“. Alles an seiner Figur soll uns ein Gefühl des Bösen einflößen. Batman und der Joker spiegeln sich wie zwei Seiten derselben Medaille.
Der Joker ist jemand, der sich dem Chaos in Gotham verschrieben hat. Seine gesamte Existenz dient dazu, ihn mit dem Protagonisten Batman zu kontrastieren.
Ein ähnliches Beispiel ist Saruman in „Der Herr der Ringe“, der die Gefährten bei ihrer Reise zur Zerstörung des Einen Rings behindert.
Obwohl wir schon vorher wissen, dass Sauron böse ist, ist Sarumans Rolle zunächst unklarer. Doch als sein böser Plan offenbart wird, erkennen wir, dass er das unmittelbarste, figurenbasierte Hindernis für die Gefährten ist.
Heroischer Antagonist
Heroische Antagonisten werden fast immer als Gegenspieler von Antihelden eingesetzt. Was ist ein Antiheld? Wir definieren ihn als „eine erzählerische Hauptfigur, die vor allem von Eigeninteresse angetrieben wird … sich oft von der Gesellschaft ausgestoßen fühlt und einen selbstzerstörerischen Weg einschlägt, der zu Isolation oder Tod führt“.
Frank Abagnale in „Catch Me If You Can“ ist ein gutes Beispiel für einen Antihelden, mit dem wir emotional mitfühlen. Wir sind von seiner Intelligenz fasziniert, und wir empfinden Mitleid mit dem Schmerz seiner Kindheit.
Abagnales Hauptgegner ist Carl Hanratty. Während Carl versucht, den Betrüger Abagnale zu fassen, neigen wir als Publikum stark dazu, uns mit Carls Moralvorstellungen zu identifizieren.
Carl wird als sensibel und wohlwollend gezeigt, was es uns erleichtert, eine Verbindung zu ihm aufzubauen, obwohl wir im Grunde nicht wollen, dass er Frank schnappt.
Die beiden Figuren jagen einander in einem Katz-und-Maus-Spiel. Carl ist bereit zu glauben, dass Frank tugendhaft handeln könnte. In den folgenden Szenen spitzt sich der Konflikt zwischen den beiden zu.
In „Catch Me If You Can“ sehen wir ein klares Beispiel dafür, wie Protagonist und Antagonist einander gegenüberstehen: Frank ist der antiheroische Protagonist, Carl der heroische Antagonist.
Wenn die Natur zurückschlägt
Figuren stehen oft vor inneren Konflikten (in sich selbst) oder äußeren Konflikten (mit der Welt oder anderen Figuren). Beides sind gute Optionen, und die Kombination aus inneren und äußeren Konflikten kann deiner Geschichte viel Energie verleihen.
Seltener ist die Natur selbst der Gegenspieler. Diese Form des Antagonismus wurzelt in der alten Konfliktform „Mensch gegen Natur“.
Denk an Katastrophenfilme und daran, wie Filmemacher:innen die Natur gegen uns in Stellung bringen: Erdbeben, Tornados, Fluten, Tsunamis – all das sind fantastische Kräfte, gegen die deine Hauptfigur kämpfen kann. Filme dieser Art erinnern uns daran, dass wir zwar an der Spitze der Nahrungskette stehen, die Natur um uns herum aber nicht wirklich kontrollieren.
Ein besonders starkes Beispiel für „Mensch gegen Natur“ oder genauer „Frau gegen Natur“ ist einer von Alfred Hitchcocks besten Filmen: „Die Vögel“.
In diesem Klassiker werden Melanie Daniels und die Bewohner von Bodega Bay scheinbar grundlos von rasenden Vögeln attackiert. Die „Vögel“ repräsentieren die feindliche Kraft der Natur, während Melanie die Protagonistin ist.
Der Konflikt wirkt deshalb so stark, weil er in vieler Hinsicht völlig unerklärlich ist. Das verleiht ihm etwas Übernatürliches und regt das Publikum an, über die möglichen Untertöne und Bedeutungen nachzudenken.
Anti-Schurke
Wir haben bereits den Antihelden erwähnt – einen Protagonisten, der keine heroischen Taten vollbringt. Sein Gegenpart ist der heroische Antagonist. Was ist dann ein Anti-Schurke?
Hast du schon einmal eine große Schurken-Rede gehört, in der er seine Ziele erklärt, und dir gedacht: „Moment, irgendwie hat der ja recht“? Dann hast du einen Anti-Schurken erlebt.
Anti-Schurken sind Figuren, die aus nachvollziehbaren Gründen böse Dinge tun. Ein Beispiel ist Roy Batty in „Blade Runner“. De facto ist Batty der Antagonist des Films und richtet bei seiner Suche nach Tyrell massive Schäden auf der Erde an.
Doch wenn wir hören, warum Batty tut, was er tut, ergibt es Sinn: Seine Lebensspanne ist künstlich begrenzt, und er will von seinem Schöpfer mehr Zeit einfordern. Sein Schmerz ist nachvollziehbar.
Falscher Antagonist
Der falsche Antagonist stellt die Frage: „Was wäre, wenn dein Bösewicht in Wahrheit gar kein Bösewicht ist, sondern die ganze Zeit auf der richtigen Seite stand?“
Vielleicht ist das noch abstrakt. Ein falscher Antagonist ist eine Figur, die über einen Teil des Films oder einer Serie als Gegenspieler inszeniert wird, sich am Ende aber als Verbündete des Protagonisten herausstellt. Oft entsteht diese Art Antagonist dadurch, dass Informationen vor Protagonist und Publikum zurückgehalten werden. Denk an Severus Snape in „Harry Potter“. Über weite Strecken der Reihe halten Harry und das Publikum Snape für einen Schurken, vielleicht sogar einen Todesser.
Doch als klar wird, dass Snape Harry seit dem Tod seiner Mutter beschützt hat, stellt sich alles auf den Kopf.
Snape ist nicht der einzige falsche Antagonist in „Harry Potter“. Sirius Black erfüllt diese Rolle in „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“. Zunächst wird Sirius als böser Schurke dargestellt, der maßgeblich am Tod von Harrys Eltern beteiligt war.
Gary Oldman verstärkt diesen Eindruck mit seinem Spiel: gebrochene Zähne, irrer Blick – ein Mann, der ganz nach klassischem Schurken aussieht.
Doch im Verlauf des Films entpuppt sich Black als einer von Harrys engsten Verbündeten und wird für den Rest der Reihe ein wichtiger Freund und Mentor.
„Harry Potter“ zeigt, wie nützlich falsche Antagonisten sind. Sie halten das Publikum in Alarmbereitschaft und vermitteln gleichzeitig subtil die Lektion, andere nicht nach ihrem Äußeren zu beurteilen.
Verborgener Antagonist
Der verborgene Antagonist ist das Gegenstück zum falschen Antagonisten. Hier wird eine zunächst wohlwollend wirkende Figur schließlich zum Schurken.
Ein typisches Beispiel ist „Coraline“, in dem die Protagonistin eine „Andere Mutter“ und einen „Anderen Vater“ findet. Anfangs scheinen die „Andere Mutter“ und der „Andere Vater“ all das zu verkörpern, was Coralines echte Eltern nicht haben: Aufmerksamkeit, Spaß, Fürsorge.
Doch je weiter der Film voranschreitet, desto klarer wird, dass Coralines neue Eltern nicht das sind, was sie vorgeben – sie verfolgen finstere Absichten.
Auch „Coco“ hat einen großartigen verborgenen Antagonisten. Zu Beginn des Films ist Miguel von dem verstorbenen Musiker Ernesto de la Cruz besessen.
Als Miguel glaubt, herausgefunden zu haben, dass Ernesto sein Ururgroßvater ist, ist seine Freude verständlicherweise groß. Als er ihn im Totenreich aufsucht, scheint zunächst alles wunderbar zu laufen.
Doch Miguel erfährt bald, dass Ernesto tatsächlich seinen Ururgroßvater ermordet hat und darüber hinaus ein Betrüger ist. Dies führt zu einer zutiefst erschütternden Szene:
Wie „Coco“ zeigt, ermöglichen verborgene Antagonisten hochdramatische Momente voller Schock, Verrat und emotionalem Schmerz. Gefühle, die man im echten Leben eher vermeiden möchte – die aber großartiges Kino schaffen.
Innerer Antagonist
In gewissem Sinn tragen wir alle einen inneren Antagonisten in uns. Der innere Antagonist verkörpert das alte Sprichwort: „In dir leben zwei Wölfe, du musst den richtigen füttern.“ Der Protagonist „füttert“ hier die falsche Seite, trifft selbstzerstörerische Entscheidungen und wird so zum eigenen Untergang.
Das ist ein wiederkehrendes Thema in vielen Filmen von Darren Aronofsky. In „Black Swan“ kämpft Nina scheinbar gegen die neue Tänzerin Lily, in Wahrheit ist es aber ihre eigene zwanghafte Natur, die sie an den Rand des Abgrunds treibt.
Auch „The Whale“ zeigt einen Protagonisten, der sein eigener größter Feind ist. Charlie frisst sich buchstäblich zu Tode; trotz der Bitten der Menschen, die ihn lieben, kann (oder will) er nicht aufhören.
Aronofskys Filme gelten oft als schwer verdaulich – ein Grund dafür ist der Einsatz innerer Antagonisten. Zuzusehen, wie sich eine Figur selbst zerstört, kann schmerzhaft und frustrierend sein. Ein äußerer Gegner kann eine edle, spannende Herausforderung sein, selbst wenn der Protagonist verliert.
Innere Gegner sind schwieriger, subtiler – und leider sehr real.
Was ist ein sekundärer Antagonist?
In den meisten Geschichten gibt es nur einen Protagonisten. Die Zahl der Antagonisten kann jedoch unbegrenzt sein. In manchen Filmen gibt es einen Hauptgegner und mehrere sekundäre Gegenspieler.
„Kill Bill“, einer von Quentin Tarantinos besten Filmen, hat einen primären Antagonisten (Bill) und mehrere sekundäre Antagonisten (das Tödliche Viper Attentäter-Kommando).
Ein hilfreiches Bild: Stell dir die sekundären Antagonisten als „Mini-Bosse“ in einem Videospiel vor, denen du begegnest, bevor du den Endgegner erreichst.
In „Kill Bill“ muss die Braut sich zuerst mit diesen Mini-Bossen auseinandersetzen, bevor sie am Ende auf den finalen Boss trifft.