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Was ist Parallelmontage im Film? – Und warum setzen Cutter sie ein?

Was ist Parallelmontage im Film? – Und warum setzen Cutter sie ein? Die Methoden des Filmschnitts sind zahllos. Manchmal ist die direkteste und kohärenteste Schnittweise die beste Wahl – auf eine Szene folgt unmittelbar die nächste. Doch gelegentlich können weniger gebräuchliche Schnitttechniken einer Sequenz neues Leben einhauchen. Die Parallelmontage ist genau eine solche besondere Schnitttechnik.

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Was ist Parallelmontage im Film? – und warum Cutter sie einsetzen

Es gibt zahllose Arten der Filmmontage. Manchmal ist die direkteste, kohärenteste Schnittweise die beste Wahl – eine Szene endet, die nächste folgt unmittelbar. Doch gelegentlich können weniger konventionelle Schnitttechniken eine Sequenz wirklich zum Leben erwecken. Die Parallelmontage ist eine dieser besonderen Formen, die die Wirkung eines Films steigern und durch Kontrast die Spannung erhöhen kann. Was genau ist also Parallelmontage im Film – und wie wird sie eingesetzt?

Definition der Parallelmontage im Film

Wenn du eine Weile im Bereich Postproduktion gearbeitet hast, hast du den Begriff „Parallelmontage“ vermutlich schon gehört. Er fällt häufig, aber die exakte Definition wird nicht immer ganz sauber verwendet.

Wovon spricht man also genau bei Parallelmontage?

Parallelmontage ist eine Montagetechnik, bei der zwei oder mehr verschiedene Szenen ineinander verschränkt werden, um zu suggerieren, dass sie gleichzeitig stattfinden. Sie kann sich auch auf einen längeren Handlungsabschnitt beziehen, in dem zwei oder mehr verschiedene Handlungslinien innerhalb derselben größeren Szene ineinander geschnitten werden.

Parallelmontage vs. Cross-Cutting

Kommt dir diese Definition vertraut vor? Das liegt daran, dass sie dem Cross-Cutting sehr ähnlich ist; viele Menschen verwenden die beiden Begriffe synonym. Tatsächlich gibt es jedoch einen Unterschied.

Cross-Cutting bezeichnet das Verschneiden mehrerer Szenen, ohne dass zwingend suggeriert wird, dass diese Szenen gleichzeitig stattfinden. Das Verhältnis von Cross-Cutting zur Parallelmontage ähnelt dem von Rechteck zu Quadrat: Jede Parallelmontage ist Cross-Cutting, aber nicht jedes Cross-Cutting ist Parallelmontage.

In „Mission: Impossible – Rogue Nation“ stehen Ethan Hunt und sein Team vor einer extrem komplexen Aufgabe. Während sie diskutieren, wie sie in eine schwer bewachte Anlage eindringen können, nutzen Regisseur Christopher McQuarrie und Cutter Eddie Hamilton Cross-Cutting, um ihren Plan zu visualisieren:

Hier handelt es sich um Cross-Cutting und nicht um Parallelmontage, weil nicht suggeriert wird, dass die beiden Ebenen gleichzeitig stattfinden. Die Szenen, in denen der Plan gezeigt wird, ereignen sich in Wirklichkeit gar nicht.

Schauen wir uns nun eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte an: die Odessa-Treppensequenz in Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“.

Eisenstein nutzt hier auf bahnbrechende Weise Parallelmontage innerhalb EINER Szene. Er verwebt das chaotische Massaker der Soldaten an der Menge mit der intimen Dramaszene einer Mutter, die um ihr getötetes Kind trauert. Diese beiden Ereignisse geschehen gleichzeitig, daher ist diese Form des Cross-Cutting in diesem Fall auch Parallelmontage.

Die Odessa-Treppensequenz demonstriert perfekt die Wirkungskraft der Parallelmontage. Schauen wir uns einige ihrer Funktionen genauer an.

Warum Parallelmontage einsetzen?

Zunächst einmal betont Parallelmontage Gleichzeitigkeit. Wenn man zwei Szenen einfach hintereinanderstellt, ist es schwer zu vermitteln, dass sie zur gleichen Zeit stattfinden.

Neben diesem Hauptzweck gibt es weitere Gründe, Parallelmontage zu verwenden.

Das Verschachteln unterschiedlicher Szenen kann Spannung aufbauen, den Moment der Auflösung hinauszögern und dadurch die Erwartungshaltung des Publikums steigern.

Ein Beispiel liefert eine Szene in „Die Schlacht um Algier“, in der der Schnitt zwischen drei verschiedenen Bombenanschlägen der Rebellen hin- und herwechselt.

Hier steigert die Parallelmontage die Spannung enorm. Wir sehen, wie jede Frau auf die Uhr schaut – der Countdown bis zur Explosion wird betont. Vielleicht noch wichtiger: Wir sehen, wie sie sich umsehen, wodurch wir die späteren Opfer kennenlernen.

Die Verflechtung der drei Szenen vertieft zugleich zentrale Themen von „Die Schlacht um Algier“: die Tragödie gewöhnlicher Menschen, die in den Krieg hineingezogen werden, das Ausmaß an Opferbereitschaft, das der Guerillakrieg verlangt, sowie den Klassenunterschied zwischen Franzosen und Algeriern.

Und all das, während wir den Atem anhalten und auf die Explosion warten.

Parallelmontage kann zwar genutzt werden, um Spannung aufzubauen und das Tempo zu verlangsamen, aber dieselbe Technik kann auch dazu dienen, das Tempo anzuziehen. Das ist vor allem in Actionfilmen nützlich, weil schnelle Wechsel zwischen mehreren Handlungsorten die Wucht der Action steigern.

Christopher Nolan ist ein Meister darin, mit Parallelmontage genau diesen Effekt zu erzielen. Der Regisseur liebt es, unterschiedliche Szenen zu verschmelzen und so einen dichten, energiegeladenen Rhythmus zu erzeugen. Vielleicht zeigt sich diese Methode auf ihrem Höhepunkt in „Oppenheimer“ – ein dialoglastiger Film, der sich dank nahezu ununterbrochenem Cross-Cutting und Parallelmontage dennoch wie ein Actionfilm anfühlt.

Parallelmontage eignet sich außerdem hervorragend zur Gegenüberstellung von Kontrasten. Die Technik zwingt das Publikum regelrecht dazu, die gezeigten Szenen miteinander zu vergleichen.

Die Taufsequenz in „Der Pate“ ist das am häufigsten zitierte Beispiel für diese Form der Parallelmontage:

Die Gegenüberstellung offenbart Michaels inneren Konflikt und kann zugleich als Kritik an der Heuchelei interpretiert werden, die in organisierten Religionen oft anzutreffen ist.

Da wir nun wissen, wozu Parallelmontage eingesetzt wird, schauen wir uns einige eindrucksvolle Beispiele an.

Beispiele für Parallelmontage

Sobald du darauf achtest, wirst du feststellen, dass Parallelmontage überall zu finden ist. Hier sind einige Filme, die Parallelmontage aus genau den Gründen einsetzen, die wir soeben besprochen haben.

Jonathan Demme nutzt im finalen Höhepunkt seines bahnbrechenden Thrillers Parallelmontage, um enorme Spannung zu erzeugen. Gleichzeitig liefert er einen unerwarteten Twist – wir glauben, die schwer bewaffnete Spezialeinheit sei unterwegs, um den Serienmörder zu fassen, doch tatsächlich ist es Clarice.

In Clint Eastwoods „American Sniper“ gibt es zahlreiche nervenaufreibende Momente, doch wohl keiner ist intensiver als der Beginn des Films. Eastwood setzt Parallelmontage ein, um Chris Kyle vor eine kaum auszuhaltende Entscheidung zu stellen und den Ton für einen ohnehin schon brutalen Film zu setzen.

Wir haben Nolans Vorliebe für diese Technik bereits erwähnt, aber die Szene in „Inception“ muss besonders hervorgehoben werden. Sie verkörpert die Essenz von Nolans Parallelmontage. Die ineinander geschnittenen Szenen stehen in unmittelbarem Ursache-Wirkungs-Verhältnis: Jedes Mal, wenn sich der Lieferwagen bewegt, spüren wir die Anspannung, weil wir wissen, dass die Traumebenen dadurch gefährlicher werden.

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