Was ist der deutsche filmische Expressionismus? Wie lässt sich dieser Stil definieren?
Was ist der deutsche filmische Expressionismus? Wie lässt sich dieser Stil definieren? Wenn ein Land in den Krieg gerät, werden alle seine inneren Branchen erschüttert oder stehen zumindest vor dem Risiko tiefgreifender Veränderungen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Stil des deutschen Films grotesker und düsterer. Das staatliche Verbot ausländischer Filme verstärkte zudem die isolierte Stellung des deutschen Kinos. Vor genau diesem Hintergrund entwickelte sich der deutsche expressionistische Film.
Was ist der deutsche filmische Expressionismus? Wie definiert man diesen Stil?
Wenn ein Land in den Krieg gezogen wird, werden alle seine Branchen erschüttert oder sehen sich zumindest dem Risiko tiefgreifender Veränderungen ausgesetzt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die deutschen Filme grotesker und düsterer. Ein von der Regierung verhängtes Verbot ausländischer Filme verstärkte außerdem die Isolation des deutschen Kinos. Vor diesem Hintergrund entstand der deutsche Expressionismus. Doch was genau ist der deutsche Expressionismus im Film? Schauen wir es uns an.
Geschichte des deutschen Expressionismus
Um diesen Stil zu definieren, müssen wir seinen Ursprung verstehen und erkennen, warum er sich so deutlich von anderen zeitgleichen Strömungen unterscheidet. Nachdem wir Definition und kurze Geschichte geklärt haben, führen wir einige Beispiele an.
Was ist der deutsche filmische Expressionismus?
Der deutsche Expressionismus ist ein eigenständiger Kunststil, der um 1910 zuerst in Dichtung und Theater auftauchte. Im Jahrzehnt nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde er im Film populär. Er entspringt teilweise der deutschen Romantik und zeigt eine subjektive Weltsicht. Durch verzerrte und alptraumhafte Bilder macht er die kollektiven Ängste Deutschlands sichtbar. Expressionisten ging es nicht um ästhetische Gefälligkeit. Dieser Stil blühte nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs und dem anschließenden wirtschaftlichen Zusammenbruch auf. Zu den ersten Filmen, die als reiner deutscher Expressionismus gelten können, gehören „Das Kabinett des Dr. Caligari“ und „Metropolis“.
Merkmale des deutschen Expressionismus
Hohe Kameraperspektiven
Tiefe Schatten/hell-dunkle Beleuchtung
Stark verkantete Kamerawinkel
Unmögliche, künstliche Schauplätze
Angesichts der realen Zustände im Nachkriegsdeutschland überrascht es nicht, dass Kunst und Film so düster wurden.
Die deutsche Filmkritikerin Lotte Eisner nannte dies „helldunkel“ und definierte es als „eine Dämmerung der deutschen Seele, ausgedrückt in dunklen, geheimnisvollen Innenräumen oder nebelhaften, unwirklichen Landschaften“.
Expressionistische Filme arbeiten mit starkem Hell-Dunkel-Kontrast, um albtraumhafte Szenen zu erzeugen, und setzen häufig Chiaroscuro-Beleuchtung ein. Schauen wir uns einige Klassiker an, die diese schattenbetonte Ästhetik geprägt haben.
Repräsentative Werke des deutschen Expressionismus

Das Kabinett des Dr. Caligari (1920)
„Das Kabinett des Dr. Caligari“ wurde von Hans Janowitz und Carl Mayer geschrieben und basiert auf ihren persönlichen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg sowie ihrem Misstrauen gegenüber autoritärer Herrschaft. Die Filmemacher verzerrten die Realität bewusst, um eine Stimmung der Zeit zu schaffen, statt eine realistische Darstellung anzustreben, und verwirrten so das Publikum.

Nosferatu (1922)

Metropolis (1927)
Fritz Langs Stummfilm nutzt expressionistische Bildsprache, um die Verschlingung der Gesellschaft durch die Technik zu thematisieren. Stark überzeichnete Bilder verstärken die Emotionen, die die Handlung vorantreiben.
Der deutsche Expressionismus veränderte die Filmgeschichte grundlegend. Besonders hervorzuheben ist, dass seine Hell-Dunkel-Beleuchtung weiterentwickelt wurde und zum Kern von Film Noir und Horrorfilm wurde. Unbestreitbar legte er das visuelle Fundament für ganze Filmgenres.
Was ist Chiaroscuro im Film? Definition, Techniken und Beispiele
Wer ein perfektes Beispiel für das Erbe des deutschen Expressionismus sucht, sollte einen Blick auf die Filme von Tim Burton werfen.
„Edward mit den Scherenhänden“ ist ein unmittelbarer Nachfolger von „Dr. Caligari“. Das zeigt sich an den schrägen, gebrochenen Kulissen, der extremen Licht-Schatten-Gestaltung und der Figur Edwards selbst. Betrachtet man Tim Burtons übrige Arbeiten, erkennt man, dass der beunruhigende Geist des deutschen Expressionismus bis heute fortlebt.